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Mit dem Phänomen Kaugummi und Recycling setzt sich Salomon-Schneider in seinem Werk Starkenfeld Street auseinander. Das kleine Piktogramm – die Information durch Bildzeichen auf einem der heute alltäglichsten Konsumgüter, des Kaugummis und seiner Verpackung – monumentalisiert er und erhebt die Gebrauchsgrafik modifiziert zum autonomen Kunstwerk. Erst jetzt wird der Betrachter aufmerksam auf eine Zeichenfolge, die ihm sicher bekannt ist. Ob bewusst oder unbewusst, bereits mehrmals in seinem Leben dürfte sie einem jeden bereits begegnet sein. Entweder als Konsument in der Hand oder aber als Abfallprodukt auf der Strasse. Gerade die Art der Monumentalisierung kleinster alltäglicher Zeichen – die Zusammenschau mit dem attraktiven genießenden Konsumenten – hier zwei Schülerinnen mit Kaugummiblasen -, birgt ästhetische Kräfte in sich, die sowohl an die Dadabewegung als auch an die Pop-Art eines Andy Warhol denken lassen. Salomon-Schneider betritt hier aber in der plastischen Ausgestaltung Neuland, sicherlich ein zukunftsweisender Ansatz.

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Doch Salomon-Schneider – variatio delectat – kennt auch ganz andere Stilmittel für seine Aussagen. Sein Schnur-Skelett, Sinnbild des einzigen z.T. Jahrhunderte bis Jahrtausende überdauernden Restes des menschlichen Körpers nach dem Tod, kann nicht auf ein tägliches Grundbedürfnis verzichten, ja es geht kindlich spielerisch mit seinem „Wasser“ um, und bleibt so – ungewollt – doch ein Teil der Lebenden. Eine zeitgemässe Art des Totentanzes in einer Epoche der Kriege und Massenvernichtungen?

Als mythologisches Thema erscheint – ebenfalls aber autobiografisch veranlasst, der Kronos, die Personifikation der Zeit, die ihre Kinder frisst. Ca. 700 Zeichnungen Salomon-Schneiders aus seinen Aktzeichenkursen wurden hier zu dieser magischen Figur verleimt. Der Kronos des Künstlers frisst auch seine Kinder. Aus den alten Zeichnungen erst konnte die Figur entstehen. Überall sind sie noch ablesbar, bis in die Augen. Eine letzte, ein Bein ragt noch aus dem Mund des alles verschlingenden Gottes der Zeit. Affinitäten zu Goyas Kronos in Madrid sind themenspezifisch.

Autobiografisches findet sich überhaupt häufig in Salomon-Schneiders Oeuvre – allerdings so allgemein gehalten, dass jeder Betrachter sich angesprochen fühlen kann. Salomon-Schneiders Kunst steht in ihrer Art in Bamberg alleine. Mit Kenntnis der aktuellen internationalen Kunstszene lässt der Künstler auch in Bamberg Werke entstehen, die man hier kaum vermutet und die ihre Zukunft haben werden.

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