Mosaik

Urängste, Urbedürfnisse, Drang nach Freiheit des eigenen Ich sind immer wieder Thema des Künstlers. Die Installation Auto-Bio-Grafik stellt eine besonders sinnreiche und überzeugende Arbeit dar. Der Titel – bewusst in drei Teile geteilt – zeigt ein auf dem Kopf stehendes Kind – sich drehend in einem Laufstall. Am Boden versucht ein Spielzeugauto auszubrechen, eckt immer wieder an und versucht einen anderen Weg, der aber ebenso nicht in die Freiheit führt, nicht führen kann. Der Drang des Kindes – aber auch des Menschen insgesamt – nach Freiheit, nach Unbegrenztheit, nach Individualität und Mobilität – kaum kann er besser veranschaulicht werden! Dass das Ganze nicht ohne – häufig fatale – Rückschläge vor sich gehen kann, oft auf Kosten anderer, darauf verweist das Auto, das immer wieder aneckt, dass auch ein Sinnbild der Mobilität einen gewissen fest vorgegebenen Freiraum trotzdem nicht überschreiten kann – nur begrenzte, keine unbegrenzten Möglichkeiten gibt.

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Die Thematik Auto-Geschwindigkeit-Freiheit-Begrenztheit greift Salomon-Schneider erneut in seiner Installation Bitte nicht füttern auf. Ein eingesperrter Plüsch-Affe in einem Autoreifen, auf welchem ein springender Hase von einem peitschenden Mann angetrieben wird. Geschwindigkeit – hierfür steht der Hase und der Reifen – Mobilität, die heute nicht schnell genug vor sich gehen kann, gleichzeitig das Eingespanntsein in Konventionen und der nicht als Freiheit sondern als neues Korsett empfundenen Möglichkeiten. Diese Thematik wird subtil in´s Medium der Kunst umgesetzt. Das eigentlich Tragende der menschlichen Existenz unserer Tage wird nicht in düsteren Farben dargestellt, sondern in hellen, farbenfrohen Bildern, Collagen und Installationen vor Augen geführt.

Geräuschlos sind die Collagen-Gemälde – allerdings kaum weniger laut und eindringlich. Das Bild Hasi ist nicht zuhause, eine Collage aus „Hasendraht“, Schnur etc. strahlt in hellen Popart-Farben und weist – kompositorisch hervorragend gelöst – auf innerste Bedürfnisse und Sehnsüchte des Menschen. Auch hier, auf der einen Seite das Eingesperrtsein-. Das Rot versinnbildlicht die Sehnsucht – Liebe, das Denken und die Ideen, die Kraft. Der Hasendraht verweist auf das Eingesperrtsein, auf die Begrenzung, die Gefangenschaft. Doch auch der Punkt der Sehnsucht liegt in einem Käfig aus Hasendraht. Gefangen auch am Ort der Träume? Salomon-Schneider sieht der Psyche unserer Tage auf den Grund. Er macht sie durch sein Werk anschaulich – weist auf ihre Tiefen hin, ohne sie zu deuten oder lösen zu wollen. Gerade dieser Weg macht seine Arbeiten so spannungsreich und allgemeingültig.

In ästhetisch sicheren Formen, zeitgemäß, optisch ansprechend, lassen Salomon-Schneider´s Werke einend tieferen Sinn nicht vermissen. Die Interpretation überlässt der Künstler interaktiv dem Betrachter.

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